Jahresrückblick 2021

Neue Projekte und Überraschungen

Die Grube Tannenberg im Vogtland bietet Winterquartier für sieben Fledermausarten. Die Zählung, mit Beobachtung dieses Mausohrs, fand Anfang März 2021 statt. | Foto: Bianka Schubert

Und wieder geht ein ereignisreiches Jahr zu Ende.

Die Winterquartierkontrollen zu Jahresanfang erfolgten regulär, jedoch mit reduzierter Teilnehmerzahl. Die Schutzmaßnahmen aufgrund des Pandemiegeschehens hielten nach wie vor an und ließen bis in den Mai keine Präsenzveranstaltungen zu. Aber auch im Frühsommer wurden der Arbeit mit Fledermäusen Steine in den Weg gelegt: viel Regen und kalte Nächte erschwerten sowohl die Erfassung der Tiere als auch deren Jahresrhythmus. So musste festgestellt werden, dass 2021 manche Wochenstuben erst viel später als gewöhnlich oder auch gar nicht besetzt waren. Es folgte ein Sommer mit viel Regen und erstaunlich vielen Fundtieren, wo jede helfende Hand zur Tierabholung oder Pflege gebraucht wurde. Noch mehr als sonst wurden Jungtiere aufgesammelt und gepeppelt. An diesen Funden konnte man feststellen, dass die Reproduktion unserer Fledermäuse in diesem Sommer anders verlief. Insgesamt gab es eine Geburtenverzögerung von zirka 2 Wochen; die Jungtiere wiesen eine unterschiedliche Alterstruktur auf und ließen auf gestaffelte Geburten schließen. Noch am 07. September ging in Dresden ein nicht flügges Jungtier in die Pflege. 

Dieser seltene Fund eines Jungtiers der Mopsfledermaus führte zum Nachweis einer noch unbekannten Wochenstubenkolonie in Wildenfels. | Foto: Heiko Goldberg
Noch besser als die Handaufzucht ist die Rückführung des Jungtieres zur Mutter, was hier bei der Mopsfledermauskolonie geglückt ist. | Foto: Heiko Goldberg

Glück im Unglück hatten 37 Jungtiere von Kleinabendseglern in der Dresdner Heide. In einem umgebrochenen Baum befand sich eine Wochenstubenkolonie der Art - ein Erstnachweis für die Stadt! Die Alttiere waren verschwunden und die Jungen in einem daneben befindlichen Kasten ausgesetzt. Am Abend wurden sie zum Teil von ihren Müttern wieder abgeholt. Zehn Jungtiere, die übrig blieben, wurden von Hand aufgezogen und konnten später erfolgreich wieder ausgewildert werden.

Nach der Milchgabe können sich die jungen Kleinabendsegler auf dem Heizkissen aufwärmen. | Foto: Thomas Brockmann

Die ehrenamtlich Aktiven der IG Fledermausschutz Leipzig kümmerten sich im Jahr 2021 um die Kontrolle und Wartung der Fledermauskästen im nördlichen und südlichen Auwald der Stadt. Hier wurden auch Netzfänge zur Erfassung des Arteninventars durchgeführt, zu denen an einem Termin auch die Leipziger Stadtförster geladen waren. Dadurch bestand die Gelegenheit sich zu Fledermausvorkommen in der Aue und Schutzbemühungen auszutauschen. Anfang August trafen sich die Leipziger Fledermausschützer*innen zu einem "Alpenfledermauswochenende", bei dem zum ersten Mal der Fang eines paarungsbereiten Männchens der erst 2019 sicher entdeckten Art gelang. Durch die Besenderung des Alpenfledermaus-Männchens und die anschließende Telemetrie konnten in den nächsten Tagen neue Quartiere der Art gefunden werden. Auch die Erstversorgung von (verletzten) Fundtieren beschäftigte die IG Fledermausschutz in diesem Jahr. Erfahrene Fledermauspflegende schulten interessierte "Neulinge" und es wurden Strukturen geschaffen um die Erstversorgung von Fundtieren in Leipzig auf breitere Schultern zu stellen. Auch für das durch Mitglieder der IG betreute Winterquartier in Leipzig Stahmeln erfolgten im Rahmen eines Arbeitseinsatzes Aufwertungen der möglichen Versteckplätze durch das Anbringen zusätzlicher Flachkästen.

Mit vereinten Kräften werden im Leipziger Auwald neue Fledermauskästen angebracht. | Foto: Leo Grosche
Ein Netzfang zur Erfassung der Alpenfledermaus fand in einem Leipziger Stadtgebiet statt. | Foto: IG Fledermausschutz Leipzig

Wie im Jahr zuvor fand im Juli ein Bestimmungskurs statt um Neulinge zu schulen. Im August fand die Erfassung in der Sächsischen Schweiz eine Wiederholung und es wurden Netzfänge zur Schließung von Kartierlücken im Zittauer Gebirge unternommen.

2021 stand außerdem die Projektarbeit stark im Vordergrund. Zum einen wurde das Quartierpaten-Projekt des NABU Sachsen für zwei weitere Jahre wieder verlängert. Vier Förderprojekte in verschiedenen sächsischen Regionen widmen sich der Erfassung der lokalen Fledermausfauna. Im Mulde-Lösshügelland wird intensiv nach der Nymphenfledermaus gesucht. Aktuelle Erkenntnisse zum Projektstand und einen Blick auf 2022 kann man im aktuellen NABU Report nachlesen. Im Zittauer Gebirge gibt es ein einziges bekanntes Winterquartier der Kleinen Hufeisennase. Ob es in der Nähe noch weitere Quartiere oder gar eine Reproduktionsgesellschaft gibt, lässt die Naturforschende Gesellschaft der Oberlausitz e.V. ermitteln.

Pssst ... Nicht stören! Diese neu gefundene Nymphenfledermaus-Wochenstube möchte hinter einer Borkenschuppe ihre Ruhe haben. | Foto: Hochfrequent GbR

Durch den Landschaftspflegeverband Mittleres Erzgebirge werden Fledermäuse im Altkreis Annaberg gesucht weil es in dieser Region kaum oder zu alte Nachweise gibt. Quartierhinweise werden hierfür gerne entgegen genommen. Im Altlandkreis Delitzsch beschäftigt sich der Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen mit der Kontrolle und Dokumentation bereits bekannter Quartiere. Die Projektmitarbeiter erhalten hier außerdem Schulungen um auf selbstständige Tätigkeiten im Fledermausschutz vorbereitet zu werden.

Bei einem Praxis-Seminar in Eilenburg erhalten Mitarbeiter sächsischer Landschaftspflegeverbände und des DVL eine Fledermausschulung mit Beteiligung des Regionalbetreuers. | Foto: LPV Nordwestsachsen e.V.
An einem warmen Juliabend fand an der Brettmühle in Königswalde ein Fledermausabend mit Netzfang statt. | Foto: Landschaftspflegeverband Mittleres Erzgebirge

Zwei positive Überraschungen hielt 2021 noch bereit: Im Herbst wurde die Projektidee des NABU Sachsen "Naturschutzstationen fledermausfachlich ausstatten" beim eku - Zukunftspreis ausgewählt und mit 10.000 Euro honoriert. Mit dem Preisgeld können wir nun unser Equipment für die Fledermaus-Öffentlichkeitsarbeit in Sachsen aufstocken sowie Kästen für Quartierschaffungen erwerben. Eine weitere Verblüffung ereignete sich Ende November. Bei der routinemäßigen Kontrolle eines Winterquartiers im Osterzgebirge wurde zum ersten Mal seit 1970 wieder eine Kleine Hufeisennase gesichtet. Diese Beobachtung steht sinnbildlich für die erfolgreichen Artenschutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren, was zur Erholung der sächsischen Kolonien der Kleinen Hufeisennase geführt hat.

Erholen wollen wir uns auch! Nutzen wir die kommenden Feiertage zur Entschleunigung und Einkehr. Fledermausschutz Sachsen bedankt sich bei allen Unterstützern und Teilnehmenden im Quartierpaten-Projekt sowie allen ehrenamtlichen Fledermausfreunden und Berufskollegen. Kommt gesund ins neue Jahr!


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Diese Maßnahme wurde 2018–2020 mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes. Die Förderung erfolgt durch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft.