Lebensweise

Das Jahr im Leben einer Fledermaus | Grafik: Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V., 2016

Fledermäuse können zahlreiche Lebensräume besetzen: Wälder, Dörfer, Städte, Bergwerke, Gebirge, Streuobstwiesen u. v. m. Die Verschiedenheit der einzelnen Arten, ihre Lebensweise und enorme Anpassungsfähigkeit ist dafür ausschlaggebend.

Unsere heimischen Fledermäuse weisen eine besondere Lebensweise auf: Da es im Winter keine Nahrung gibt, halten sie Winterschlaf und suchen dafür Winterquartiere mit speziellen klimatischen Bedingungen auf. Diese Orte müssen kühl aber frostfrei sein: Fledermäuse passen ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur an um Energie zu sparen und fahren ihren Stoffwechsel herunter. Damit die Haut an Ohren und Flügeln nicht austrocknet, ist außerdem eine hohe Luftfeuchtigkeit im Winterquartier wichtig.

Im Sommer bilden die Weibchen eigenständige Kolonien, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und gemeinsam aufzuziehen. Solche Quartiere nennt man Wochenstuben. Die Männchen verbringen die Zeit einzeln oder in Männchenkolonien. Die meisten Arten bekommen nur 1 Jungtier pro Jahr – wenige Arten bringen Zwillinge zur Welt. Je nach Witterung oder Störung können die Tiere auch mal ihre Quartiere wechseln – sie besitzen ein sogenanntes Quartierverbundsystem. Da die Tiere sehr ortstreu sind, suchen sie die Quartiere regelmäßig jedes Jahr auf, von Generation zu Generation. Aus diesem Grund ist der Erhalt der Quartiere für die Fledermäuse sehr wichtig und prioritäres Ziel im Fledermausschutz.

Nach dem erfolgreichen Aufziehen der Jungtiere beginnt die Paarungszeit. Fledermausmännchen patroullieren des Nachts sehr aktiv in der Nähe von Quartieren oder lassen aus dem Quartier heraus Balzgesänge ertönen um Weibchen anzulocken. Je nach Fledermausart beginnt die Paarungsphase im August und endet zirka im November. Bei einzelnen Männchen hält der Paarungstrieb bis in den Winterschlaf an, dann wecken sie im Winterquartier ihre Artgenossinnen.

Zwischen Sommer- und Winterlebensraum legen die Tiere teilweise mehrere hundert bis tausend Kilometer quer durch Europa zurück, d. h. sie sind wanderfähig, vergleichbar mit den Zugvögeln. Von unseren heimischen Fledermäusen sind Wanderungen bis nach Südfrankreich belegt. Manch andere fliegen auch “nur” bis ins Erzgebirge oder bleiben während der kalten Jahreszeit in der Nähe ihrer Sommerbehausungen, manchmal sogar noch im selben Ort.


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