31. Leipziger Auwaldart – die Mopsfledermaus

Eine Waldspezialistin inmitten der Großstadt

Gerade mal 5 – 6 cm groß, max. 13 g leicht und passt mit ausgestreckten Flügeln auf eine A4-Querseite. Dazu dunkles Fell mit hellen Haarspitzen, rundlichen Ohren, welche über der namensgebenden mopsartig gedrungenen Nase zusammenlaufen. Fertig ist sie: die Mopsfledermaus.

Jedes Jahr am 16. April wird die Leipziger Auwaldart verkündet. Ziel dieser Veranstaltung ist es, das Augenmerk auf den Auwald in und um Leipzig zu lenken, seine Besonderheiten nahezubringen und die Gefahren aufzuzeigen, die diesem wichtigen Ökosystem drohen. Nach 20 Jahren fiel die Wahl wieder auf eine Fledermausart (2004 war es übrigens die Wasserfledermaus).

Die gemäß Roter Liste Deutschlands und Sachsens stark gefährdete Mopsfledermaus kommt in Deutschland vor allem in den östlichen und südlichen Landesteilen vor. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt auf Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen. Gezielte Untersuchungen im Leipziger Auwald in den letzten Jahren haben zeigen können, dass die Art hier mit mehreren Wochenstubenkolonien (Weibchengruppen mit ihren Jungtieren) vorkommt.

Die Mopsfledermaus ist mit mehreren Wochenstuben im Auwald Leipzig beheimatet. | Foto: Marco Roßner
Vorkommen Mopsfledermaus in und um Leipzig (eigene Daten sowie Daten des AK Fledermausschutz Leipzig, Stand April 2024) | Abb. ohne Autor:

Die Art bevorzug als Lebensraum naturnahe strukturreiche alte Wälder mit hoher Dichte an alten Bäumen. Quartiere zur Aufzucht des jährlich einzigen Jungtiers findet sie hinter loser Borke und in Spalten an Ästen und Stamm. In Westsachsen zählt die Eiche zum wichtigsten Quartierbaum. Aber auch Fichten und Kiefern in abgestorbenen Nadelwäldern wie auch der Ahorn werden immer häufiger besiedelt. Hinter solch eine Borkenschuppe passen durchaus 15-20 ausgewachsene Weibchen mit ihren Jungtieren.

Mopsfledermauskolonie aus Weibchen mit ihren Jungtieren hinter Borkenschuppe. | Foto: Marco Roßner

Neben Bäumen nutzt die Mopsfledermaus auch geeignete Spaltenverstecke an Gebäuden zum Übertagen z.B. hinter Fensterläden, Holzverkleidungen oder in Brückenfugen. Auch Fledermausspaltenkästen werden gern angenommen.

Die nächtlichen Jagdflüge erfolgen meist entlang von Waldrändern, Baumreihen, Hecken aber auch an Gewässerufern. Dabei werden im wendigen Flug überwiegend Tag- und Nachtfalter erbeutet. Der Aktionsradius zwischen Quartieren und Jagdgebieten ist mit 4 – 8 km für solch eine kleine Art erstaunlich groß.

Den Winter verbringen die ausgesprochen kältetoleranten Tiere in alten Tunneln, Stollen, Höhlen, Brücken oder Kellerräumen. Mopsfledermäuse überwintern sowohl in engen Spalten als auch frei hängend an Decken und Wänden. In den Winterquartieren im sächsischen Tiefland finden sich meist Einzeltiere, aber auch große Überwinterungsgruppen mit mehreren hundert Tieren sind bekannt.

Gruppe Mopsfledermäuse im Winterquartier. | Foto: Marco Roßner

Wie alle heimischen Fledermausarten leidet die Mopsfledermaus unter der andauernden Insektenknappheit durch den Einsatz von Insektiziden in Land- und Forstwirtschaft sowie der anhaltenden Trockenheit. Der Verlust von alten und toten Bäumen durch Stürme, Verkehrssicherung und Holzgewinnung verringern das Quartierangebot und somit den Reproduktionserfolg und die Überlebenschancen. Gebäudesanierungen beseitigen Hangplätze im Mauerwerk und an Fassaden. Faktoren wie Beleuchtung der Jagdlebensräume oder die Zerschneidung von Verbundstrukturen (z.B. Hecken, Baumalleen) z.B. durch den Straßenbau kommen erschwerend hinzu. Sowohl der Erhalt und die Sicherung von bekannten Quartieren sowie Jagdhabitaten und Flugwegen als auch die Quartierneuschaffung (z.B. durch Fledermauskästen) können somit entscheidend zum Schutz der Art beitragen.

Text: Sarah & Marco Roßner


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