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Wie kann ich Fledermäuse beobachten?

Spannend ist es, in den abendlichen Sommerstunden an einem Gewässer zu stehen. Hier kann man bereits in der frühen Dämmerung die ersten Fledermäuse sehen: der Abendsegler fliegt oft noch zeitgleich mit den Mauerseglern umher, dicht über der Wasseroberflächen ziehen Wasserfledermäuse ihre Kreise, und Zwergfledermäuse suchen gezielt Baumkronen nach Insekten ab. Für solche Beobachtungen kann man in der Stadt oder im ländlichen Raum wohnen und benötigt dafür kein Equipment.

Geht man in eine Scheune oder einen Dachboden, kann man auf dem Fußboden bereits fündig werden, indem man die Hinterlassenschaften von Fledermäusen sieht: Kot und Fraßplätze. Der Kot sieht ähnlich aus wie der von normalen Mäusen, lässt sich im Vergleich zu diesem aber zerreiben. Keine Sorge: Der Kot von Fledermäusen besteht lediglich aus Insektenresten und hat nur eine krümelige Beschaffenheit. Anhand des Kotes, seiner Größe und Form kann der Kenner oftmals schon die Fledermausart bestimmen. Fraßplätze grenzen die Artbestimmung auch schon ein, da sie eher nur für die Arten Braunes und Graues Langohr sowie die Kleine Hufeisennase charakteristisch sind.

Findet man solche eine Konzentration von Fledermauskot auf dem Dachboden lässt das manchmal auf das Vorhandensein einer Wochenstube schließen. | Foto: Bianka Schubert
Die Reste von Falterflügeln am Fußboden weisen auf einen Frassplatz einer Fledermaus hin | Foto: Johannes Böhme

Um Fledermäuse darüber hinaus zu beobachten, muss man wissen wo die Tiere leben. Aus diesem Grund ist ein gewisses Grundwissen zur Biologie und Lebensweise notwendig.

Kennt man deren Quartiere, sind dort Zählungen möglich. Im Sommer kann dies in Form von Ausflugzählungen geschehen. Insbesondere bei vorhandenen Wochenstuben ist in der Zeit der Dämmerung sowohl Abends als auch Morgens reichlich Bewegung am Quartier. Im Mai lassen sich hierüber die Anzahl der Alttiere ermitteln. Findet eine Zählung im Juli statt, sieht man bereits die flügge gewordenen Jungtiere mit aus dem Tagesversteck fliegen.

In der sommerlichen Abenddämmerung lassen sich ausfliegende Fledermäuse am Quartier zählen. | Foto: Dietmar Nill

Darüber hinaus kann man Fledermäuse im Quartier zählen. Mit einer Taschenlampe können Fledermauskästen, Keller, Spitzböden und ähnlich dunkle Quartierstellen ausgeleuchtet werden. Nicht immer ist man bei dieser Suche erfolgreich da sich die Tiere gut zu verstecken wissen.

ACHTUNG: Ein zu häufiges Aufsuchen der Quartiere sowie Anleuchten der Tiere stellt eine erhebliche Störung dar und kann zu einer Beeinträchtigung der Tiere oder der Kolonie führen! Es ist verboten, Fledermäuse ihrem Quartier zu entnehmen.

Geräusche die oberhalb der Hörgrenze des Menschen liegen, also ca. 16 kHz, werden als Ultraschall bezeichnet. Unsere heimischen Fledermäuse orientieren sich im Luftraum sowie um Insekten zu jagen mittels Ultraschall-Rufen - der sogenannten Echoortung. Daneben benutzen Fledermäuse zusammen mit anderen Artgenossen spezifische Sozialrufe, die oftmals schon mit bloßem Ohr erkennbar sind.


Balzruf der Zweifarbfledermaus im Stadtgebiet - Echtzeitaufnahme


Wer technisch versiert ist und etwas Geld ausgeben möchte, kann sich mit der Thematik Ultraschall-Detektoren und Bioakustik auseinandersetzen. Hierfür gibt es verschiedene Hersteller und Modelle. 

Die Fledermausrufe kann man mit einem Ultraschall-Detektor hörbar machen und je nach Modell als Sound-Datei abspeichern. Die aufgezeichneten Rufe können sich dann mittels spezieller Software als Sonagramm anzeigen und auswerten lassen.

Beispiel-Aufnahme von 2 Mückenfledermäusen mit Sozialrufen in einem Sonagramm
Fledermaus 2 scheint weiter weg zu sein als Fledermaus 1, weil der Ruf leiser bzw. heller in der Darstellung ist.
A: markierter Fledermausruf, zur Vermessung
B: der Peak in der Kurve zeigt die Hauptfrequenz im Ruf an - der Bereich, wo der Fledermausruf am lautesten ist. Hier 57kHz. Das Maß ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Artbestimmung bei den Fledermausrufen. | Grafik: Uwe Schroeder

Wer mehr über die Technologie der Ultraschall-Detektoren nachlesen möchte, wird hier fündig.

Zur Artansprache müssen ebenso die Bedingungen beachtet werden, bei denen die Fledermaus unterwegs ist denn die emittierten Ultraschall-Rufe werden je nach Umgebung stets angepasst. Bei Nichtbeachtung kann es häufig zu Verwechslungen zwischen den Arten kommen. Üblicherweise findet eine Rufanalyse anhand des zehnfach zeitgedehneten Fledermausrufes statt, wobei die individuellen Rufmerkmale einzeln vermessen werden können. Die eigentliche Artansprache anhand der Fledermausrufe bedarf eines großen Erfahrungsschatzes.


Balzruf der Zweifarbfledermaus im Stadtgebiet - 10fach zeitgedehnt


Von Profis werden noch andere Nachweismethoden eingesetzt wie z.B. der Netzfang sowie die Radiotelemetrie. Da hierbei allerdings Tiere gefangen werden müssen, bedarf es für diese Methoden einer artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung bei den Unteren Naturschutzbehörden.


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