Suche nach Quartieren der Kleinen Hufeisennase im Zittauer Gebirge

Den letzten Kleinen Hufeisennasen in Ostsachsen auf der Spur

Zwei Kleine Hufeisennasen (Rhinolophus hipposideros) im Winterschlaf. | Foto: Thomas Frank

Gemeinsam mit dem Büro ChiroPlan aus Dresden untersucht die Naturforschende Gesellschaft der Oberlausitz e.V. in den Jahren 2021 und 2022 die Winterschlafgemeinschaft der Kleinen Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) im Zittauer Gebirge. Der Nachweis dort gilt derzeit als der einzig bekannte in Ostsachsen. Die letzte Reproduktionsgemeinschaft der Art verschwand 1994 durch den Abbruch des Wochenstubenquartiers in Zittau. Mittels Telemetrie und zielgerichteter Suche in geeigneten Gebäuden sollen hoffentlich weitere Quartiere gefunden werden. Ziel ist der Erhalt und die Förderung der Art durch nachfolgende Optimierungs- und Schutzmaßnahmen.

Die Kleine Hufeisennase gilt als eine der seltensten Fledermausarten in Deutschland und auch in Sachsen. Die ursprünglich mediterrane Fledermausart bewohnt im Sommer ausschließlich Gebäudequartiere und hat ihren Verbreitungsschwerpunkt im wärmebegünstigten Elbtal bei Meißen, Dresden bis ins Elbsandsteingebirge sowie den Elbnebentälern. Spannenderweise bezieht sie außerdem – von den anderen sächsischen Vorkommen völlig isoliert – eine Höhle im Zittauer Gebirge als Winterquartier, das mittlerweile im Rahmen einer Quartierpatenschaft betreut wird. Von 2002 bis 2017 war hier jeweils ein Tier zu beobachten. Ab 2018 erhöhte sich die Zahl der anwesenden Tiere auf 8 und im Winter 2020/2021 konnten dort 11 Tiere dieser etwa vier Zentimeter kleinen Fledermausart beobachtet werden. Bis auf die Nutzung der Höhle ist über die Raumnutzung der Population überhaupt nichts bekannt.
Das möchte die Naturforschende Gesellschaft gemeinsam mit dem Büro ChiroPlan aus Dresden gern ändern und geht in den Jahren 2021 und 2022 der Frage nach: Was machen die Hufeisennasen des Zittauer Gebirges eigentlich, wenn sie sich nicht in ihrem Winterquartier aufhalten? Wo ziehen sie ihren Nachwuchs auf? Wie nutzen die Tiere die Umgebung? Gibt es wichtige Jagdhabitate? Welches Potential gibt es zur Verbesserung der Lebensraum- oder Quartiersituation? Um diese Fragen zu beantworten, sollen einzelne Tiere durch renommierte Fachexperten mit Sendern versehen und einige Tage lang verfolgt werden. So werden hoffentlich weitere Quartiere gefunden und bestenfalls sogar eine Wochenstube der stark gefährdeten Art entdeckt. Parallel dazu finden Gebäudekontrollen in der Umgebung statt, um vielleicht weitere Quartiere der Art zu entdecken. Eine zusätzliche Unterstützung soll die Kleine Hufeisennase erhalten, indem außerdem eine Planung für ein Quartier im Umfeld des Winterquartiers erstellt wird.
Das verbindende Ziel unserer Bemühungen ist der nachhaltige Erhalt der Art im Zittauer Gebirge. Nur unter Kenntnis der Quartiere dieser so seltenen Art können wir diese langfristig sichern. Dazu dient auch eine intensivierte Vernetzung mit tschechischen und polnischen Kollegen, die innerhalb des Vorhabens in Angriff genommen werden soll.

Laufzeit: 28.5.2020–30.10.2022

Gefördert durch das SMUL nach der Förderrichtlinie Natürliches Erbe B2

Der hufeisenartige Nasenaufsatz ist namensgebend für diese Artgruppe, von der nur zwei Vertreter in Deutschland vorkommen. | Foto: Thomas Frank

Literatur:

Bontadina, F, T. Hotz & K. Märki (2006): Die Kleine Hufeisennase im Aufwind – Ursachen der Bedrohung, Lebensraumansprüche und Förderung einer Fledermausart. Bern: Haupt. 79 S.
Frank T., C. Schmidt & T. Bellstedt (2016): New roosts – old problems – searching for nursery colonies of the lesser horseshoe bat (Rhinolophus hipposideros) in Saxony. Veröffentlichungen des Museums der Westlausitz Kamenz. Tagungsband: Fledermäuse der Sudeten: 7–16
Schofield, HW. (2008): The lesser horseshoe bat conservation handbook. Eastnor, UK: Vincent Wildlife Trust. 78 S.
https://naturforschende-gesellschaft-der-oberlausitz.de/projekte/aktuelle-projekte


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Diese Maßnahme wurde 2018–2020 mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes. Die Förderung erfolgt durch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft.