Bechsteinfledermaus bei Wermsdorf

Mit dem Fund einer Wochenstube konnte das erste Reproduktionsquartier der Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) in Westsachsen belegt werden | Foto: Hochfrequent GbR

Im Jahr 2018 wurde der Wermsdorfer Wald als "Waldgebiet des Jahres" ausgezeichnet. Inmitten des landwirtschaftlich intensiv genutzten sächsischen Platten- und Hügellandes bildet dieses Areal das größte zusammenhängende Waldgebiet des Forstbezirks Leipzig durch ein Nebeneinander von Nadelholz und strukturreichen Laubwälder aus. Es finden sich zahlreiche Gewässer, was sich stets positiv auf die Insektenfauna als einzige Nahrungsquelle heimischer Fledermausarten auswirkt. Nicht nur das FFH-Gebiet „Wermsdorfer Waldteichkette“ im Westteil spielt dabei eine Rolle, sondern auch die vielen kleineren Tümpel und feucht-sumpfigen Flächen, die teils sehr unscheinbar in die Waldmatrix eingebettet sind. Eine Besonderheit stellt zudem die Naturwaldzelle innerhalb des NSG „Klosterwiese“ im Südosten dar, in der sich der Wald seit 1996 ausschließlich unter natürlicher Prozessdynamik entwickeln darf.

Im Wermsdorfer Wald steckt daher großes Potential für die Forschung. Nicht nur Ökologie und Lebensräume seltener Waldfledermausarten können hier näher untersucht werden. Auch das landesweite Monitoring zum Erhaltungszustand sächsischer Fledermaus-Populationen durch das LfULG kann hier um die Komponente „Wald“ erweitert und damit gezielt unterstützt werden. Und nicht zuletzt ermöglicht das Nebeneinander von Nutz- und Prozessschutzflächen (inkl. bereits ausgewiesener Biotopbaumgruppen) Analysen zur Wirkung von Schutzmaßnahmen, um Sachsenforst bei der Umsetzung der Naturschutzziele im Wald zielgerichtet zu unterstützen.

Von der Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe) wurden im Wermsdorfer Wald zwei Wochenstuben nachgewiesen | Foto: Hochfrequent GbR
Alte und Totbäume sowie Strukturreichtum in einem Wald bieten zahlreichen Tierarten Lebensraum und Nahrungressource. Sie tragen so zum ökologischen Gleichgewicht bei | Foto: Hochfrequent GbR

Zu diesem Zweck wurde im Jahr 2019 in Zusammenarbeit zwischen Sachsenforst, LfULG und dem Fachbüro hochfrequent GbR ein Projekt zur Bestandserfassung und zur Einrichtung eines langfristig angelegten Monitorings im Wermsdorfer Wald gestartet. Hierzu wurden Erfassungsgeräte installiert, die an verschiedenen Standorten Ultraschalllaute der Tiere über lange Zeiträume aufzeichnen. Bei gezielten Netzfängen wurden Arten, Geschlechter und Reproduktion dokumentiert. Ausgewählte Arten mit besonderer Waldbindung wurden zudem besendert, um mehr über die genutzten Quartiere, Jagdgebiete und Aktionsräume zu erfahren.

Die ersten Ergebnisse sind ausgesprochen positiv und erfüllen die Erwartungen an den Wald:

So kommt die v.a. in den alten Bundesländern sehr seltene Mopsfledermaus im Wermsdorfer Wald mit mehreren Kolonien und über die Gesamtfläche verteilt vor. Eine Wochenstube nutzt unter anderem Fledermauskästen am Collm. Eine Kolonie der Großen Bartfledermaus besiedelt ein Gebäudequartier in Mahlis, und nutzt von da aus insbesondere das NSG Klosterwiese intensiv zur Jagd. Mit über 150 Alttieren gehört diese Wochenstube zu den größten in Sachsen – 90 % aller übrigen bekannten Kolonien sind kleiner. Für die Nymphenfledermaus sind nunmehr 2 Wochenstubenkolonien bekannt, sodass der Wermsdorfer Wald zum derzeitigen Kernareal in Sachsen mit besonderer Funktion für den Erhaltungszustand zu zählen ist. Im Verbund mit dem Erstnachweis einer Wochenstube der ebenso stark an alte Wälder gebundenen Bechsteinfledermaus für Westsachsen ist die herausragende, landesweite Bedeutung des Wermsdorfer Waldes für die Fledermausfauna schon nach der ersten Saison bestätigt.

Gleich mehrere Kolonien der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) konnten im Wermsdorfer Wald gefunden werden. Auch in den Fledermauskästen am Collm kommt eine Reproduktiongsgesellschaft der Art vor. | Foto: Hochfrequent GbR

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Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes. Die Förderung erfolgt durch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft.