Rückblick 15. Sächsische Fledermaustagung

Große Resonanz zur Fachtagung am 15.11.2025 in Freiberg

Teilnehmende der 15. Fledermaustagung in Freiberg | Foto: Reimund Francke

Die Fledermaustagung am 15. November in der alten Mensa in Freiberg stand ganz im Zeichen der Winterquartiere und stieß auf eine sehr hohe Resonanz. Die große (und noch nie dagewesene) Teilnehmerzahl mit mehr als 140 Fledermausfreundinnen und -freunden zeigte, wie sehr das Thema den Kern der aktuellen Entwicklung rund um wärmer werdende Winter und Biodiversitätsverlust traf.

Die Tagung wurde von Marco Roßner vom LFA Fledermausschutz des NABU Sachsen eröffnet. In seiner Begrüßung hob er die zentrale Bedeutung des Fledermausschutzes im Freistaat hervor und leitete damit in ein vielfältiges Programm ein. Elf Personen aus verschiedenen sächsischen Regionen referierten zu aktuellen Entwicklungen, langjährigen Monitoring-Erfahrungen sowie innovativen Methoden im Fledermausschutz. 

Den ersten Fachbeitrag präsentierte Thomas Frank (ChiroPlan). Im Mittelpunkt stand der neue und langersehnte Sächsische Leitfaden zur Berücksichtigung von Vögeln und Fledermäusen bei Sanierungs- und Abrissvorhaben. Er zeigte auf, wie Artenschutz und Bauvorhaben in der Praxis erfolgreich miteinander vereinbart werden können. Besonders betont wurden klare Handlungsempfehlungen, die sowohl Planungssicherheit schaffen als auch den artspezifischen Schutz oder Ersatz von Quartieren gewährleisten. Die anschließende Diskussion verdeutlichte den hohen Informationsbedarf sowie die Notwendigkeit zur weiterführenden Aufklärung in diesem Themenfeld.

Im Anschluss folgte ein Block mit Praxisbeispielen aus verschiedenen Regionen Sachsens. Andreas Püwert (Langenau), Harald Wolf (Umweltamt Dresden), Sonja Fischer (Plauen) und Christian Pietzsch (Königsbrücker Heide) berichteten über die Situation ausgewählter Winterquartiere und teilten Erfahrungen aus ihrer langjährigen Arbeit vor Ort. Vom Stollen, über Durchlässe und Bunker bis zum aufgewerteten Wasserspeicher wurden zahlreiche regionale Beispiele und Besonderheiten wiedergegeben. Die Beiträge gaben einen differenzierten Überblick zu erfolgreichen Aufwertungs- und Schutzmaßnahmen, der Artzusammensetzung sowie Herausforderunge. 

Bevor es in die Mittagspause ging, bedankte sich Ulrich Zöphel im Namen des LFA Sachsens bei Sonja Fischer für die langjährige mit Herzblut und großem Engagement ausgeführte Mitarbeit. Auch nach Ihrer Zeit beim LFA bleibt Sonja den Fledermäusen treu und setzt sich weiter ehrenamtlich für deren Schutz ein.

Marco Roßner, Vorsitzender des LFA Fledermausschutz Sachsen, leitete die Fachtagung ein. | Foto: Reimund Francke
140 Personen füllten am 15.11.2025 den Saal in der Alten Mensa in Freiberg und lauschten interessiert den Vorträgen. | Foto: Reimund Francke

Nach der Mittagspause widmeten sich zwei Vorträge der Auswertung von Langzeitdaten aus Winterquartieren. 

Gabriel Müller (HTW Dresden) stellte die Ergebnisse aus 30 Jahren Winterquartierkontrollen und damit Einblicke in Bestandsentwicklung in der Sächsischen Schweiz vor. Daran anknüpfend präsentierte Ulrich Zöphel (LFA Fledermausschutz NABU Sachsen) Erkenntnisse aus fünf Jahrzehnten Winterquartiererfassung in Rehefeld im Osterzgebirge – ein beeindruckender Datensatz, der Trends sichtbar macht, spannende Rekorde aufzeigt und langfristige Veränderungen nachvollziehbar werden lässt.

Einen kritischen Blick auf Ausgleichsmaßnahmen warf im Anschluss Reimund Francke (LFA Fledermausschutz NABU Sachsen). Am konkreten Beispiel zeigte er, dass nicht jede umgesetzte Ausgleichsmaßnahme tatsächlich funktional oder artenschutzfachlich sinnvoll ist. Sein Beitrag sensibilisierte für die Notwendigkeit sorgfältiger Planung und praxisorientierter Umsetzung.

Der folgende Vortrag von Sarah Roßner (hochfrequent GbR) thematisierte den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Winterquartiermonitoring. Sie erläuterte, wie das KI-gestützte Auswertungsprogramm BatNet helfen kann, große Datenmengen aus Lichtschranken-Fotofallen effizienter zu verarbeiten und artspezifische Bestandsentwicklungen im Winterquartier präziser zu erfassen.

Nach einer kurzen Kaffeepause präsentierte Friederike Böhm (AK Fledermausschutz NABU Leipzig) Ergebnisse zum sogenannten „Frostschwärmen“, einer noch wenig genutzten Methode zur Identifikation unbekannter Winter- und Sommerquartiere. Im Anschluss stellte Norman Menke (hochfrequent GbR) einen experimentellen Messaufbau zur Untersuchung von Temperaturverhältnissen in Fassadenkästen vor. Die Resultate zeigten eindrucksvoll, dass auch hier Vielfalt der Schlüssel für den erfolgreichen Einsatz von künstlichen Quartieren als Ersatzmaßnahme ist.

Ulrich Zöphel trat mit zwei Themen auf die Bühne. Beide Vorträge widmeten sich der Auswertung von Langzeitdaten. | Foto: Reimund Francke
Sarah Roßner war am 15.11.2025 nicht nur Moderatorin sondern auch Referierende. | Foto: Reimund Francke

Zum Abschluss des fachlichen Teils erläuterte Ulrich Zöphel (LfULG), wie Daten aus Winterquartierzählungen in das Analysewerkzeug BATLAS zur Bestimmung von langfristigen Populationstrends einfließen. Der Beitrag machte deutlich, wie wichtig strukturierte und beständig erhobene Daten für verlässliche Trendanalysen und damit für effektive Schutzstrategien sind.

Wir möchten uns herzlich bei allen Referentinnen und Referenten, dem gesamten Publikum sowie den Mitveranstaltenden – dem NABU Landesverband Sachsen e.V. und der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt – für das sehr gute Gelingen der Tagung bedanken. Abschließend auch Dank an die TU Bergakademie Freiberg für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und technische Unterstützung.


Die einzelnen Vorträge bzw. deren Kurzfassungen werden demnächst nachfolgend zum Download zur Verfügung gestellt:


Artenschutz und Bauvorhaben erfolgreich gemeinsam gestalten
Autor/Herausgeber: Thomas Frank | ChiroPlan

Winterquartiere in Dresden
Autor/Herausgeber: Harald Wolf | Umweltamt Dresden

Einsatz von KI bei Winterquartiermonitoring
Autor/Herausgeber: Sarah Roßner | hochfrequent GbR

Temperaturverhältnisse in Fassadenkästen
Autor/Herausgeber: Norman Menke | hochfrequent GbR


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