Fledermäuse im Schönfelder Hochland

Ergebnisse von bioakustischen Untersuchung im Nordosten Dresdens

Im Dresdner Friedrichsgrund wurde in einem Flachkasten eine Wochenstubenkolonie von Mopsfledermäusen nachgewiesen. | Foto: Bianka Schubert

Die Arbeitsgruppe Natur im Schönfelder Hochland des NABU Regionalverbandes Dresden-Meißen hat am 28. Juni 2022 zu einem Vortrag über Fledermäuse im Schönfelder Hochland nach Pappritz ins Bürgerhaus eingeladen. Die Projektleiterin des Fledermaus-Quartierpaten-Projektes des NABU Sachsen e.V. Bianka Schubert hat über die heimlichen Flattertiere berichtet und vor allem die Fledermausarten vorgestellt, die im Schönfelder Hochland auf die nächtliche Jagd gehen. In Deutschland kommen insgesamt 25 Arten vor – davon 22 in Sachsen. Zu den kleinsten Arten gehören die Mücken- und Zwergfledermaus. Diese beiden Fledermausarten kommen am häufigsten im Schönfelder Hochland vor. Sie scheinen sich besonders gut an die sich ändernden Umweltbedingungen anpassen zu können, erläuterte die Fledermausexpertin den 20 Hochländer*innen, die in den Bürgersaal der alten Schule gekommen waren.

Alle heimischen Fledermausarten stehen unter besonderem und strengem Naturschutz. Das bedeutet auch, dass Fledermäuse nicht gefangen, verletzt oder getötet werden dürfen. Ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten dürfen nicht beschädigt, zerstört oder der Natur entnommen werden. Sämtliche Zufluchts- und Schutzstätten, Quartiere und Jagdgebiete sind vor Zerstörung, Beschädigungen und Beunruhigungen zu schützen.

Aufgrund derer Schutzstatus müssen für sechs Fledermausarten, davon die Kleine Hufeisennase, das Große Mausohr, die Teichfledermaus und die Mopsfledermaus sogar Schutzgebiete nach der Europäischen Fauna-Flora-Habitat Richtlinie ausgewiesen werden. So gibt es im und angrenzend am Schönfelder Hochland ein solches FFH– Gebiet „Elbtalhänge zwischen Loschwitz und Bonnewitz“, wo diese Fledermausarten gelistet sind. Im Wesentlichen umfasst dieses europäische Schutzgebiet die rechtselbischen Gründe und Tälchen am Fuße des Schönfelder Hochlandes. Der Wachwitzgrund, der Helfenberger Grund, der Keppgrund, der Friedrichsgrund mit ihren Bächen und weitere hier nicht genannte, bewaldete Gründe und die angrenzenden Siedlungen mit dörflichen Strukturen und Streuobstwiesen im Hochland bieten einer Vielzahl von Fledermausarten gute Lebensbedingungen.

Eine besondere Rolle spielt der Wald als Lebensraum und Jagdhabitat für unsere heimischen Fledermausarten. Hier wurden die Mopsfledermaus, die Wasserfledermaus, der Abendsegler, die Fransenfledermaus, eine Bartfledermausart, die Rauhautfledermaus und eine Langohrfledermausart festgestellt. Diese Fledermäuse bilden auch Reproduktionsgemeinschaften im Wald, welche als Wochenstuben bezeichnet werden. Fast alle Fledermausarten, die im Schönfelder Hochland vorkommen, durchstreifen auf ihrer nächtlichen Jagd nach Beute regelmäßig Wälder, Waldränder und Bestandslücken oder jagen über den Baumkronen. Mit Beginn der Dämmerung starten die Zwergfledermäuse und Mückenfledermäuse aus ihren Quartieren. Man erkennt die kleinen Fledermäuse an ihrem wendigen Zick-Zack-Flug. Weiter oben, über den Baumwipfeln in 50 Metern Höhe kann auch der Abendsegler gegen den noch hellen Himmel beobachtet werden. Sein Flug ähnelt ein wenig dem Flugbild des Mauerseglers. In der frühen Dämmerung gesellt sich außerdem die gebäudebewohnende Breitflügelfledermaus im behäbigen, strukturnahen Flug hinzu.

Später, wenn es ganz dunkel ist, jagen auch das Mausohr und die Kleine Hufeisennase nah an der Vegetation und gut versteckt vor unserem Auge.

Der Totholzanteil und das Strukturangebot im Wald scheinen ausschlaggebend für die Vielfalt an Insekten und damit auch an Fledermäusen zu sein. Entscheidend sind das Nahrungsangebot, der Anteil an Höhlenbäumen im Altwaldbestand, blütenreiche Weg- und Waldränder, Lichtungen und Gewässer.

Die Still- und Fließgewässer in den Gründen scheinen sehr beliebte Jagdhabitate für Fledermäuse zu sein. So wurden mit einem stationären Ultraschalldetektor am Bergmolchteich im Wachwitzgrund 82 Rufe allein in einer Nacht gemessen. Hier konnten eine Bartfledermausart, Mücken- und Zwergfledermäuse und Tiere der Artengruppen Myotis- und Pipistrellus-Arten identifiziert werden. Am 2021 neu geschaffenen „Burgteich“ am Malerweg im Helfenberger Grund konnten in nur einer Sommernacht 2.979 Rufe erfasst werden! Das bedeutete einen immensen Aufwand bei der Auswertung der Daten für Bianka Schubert. Sie konnte mittels einer speziellen Software die Rufe der Mopsfledermaus, der Wasserfledermaus, einer Bartfledermausart, Tiere der Artengruppe Myotis indet., Nyctaloid und Pipistrellus indet. identifizieren.

Der absolute „Hotspot“ in der Messreihe wurde Anfang September 2021 am Schlossteich in Schönfeld gemessen. In einer lauen Sommernacht wurden 10.939 Rufe von acht Fledermausarten erfasst: Mops-, Breitflügel-, Wasser-, Bart-, Zwerg-, Mücken- und Rauhautfledermaus, Abendsegler und Tiere der Artengruppen Myotis indet., Nyctaloid und Pipistrellus indet.!

Die Kleine Hufeisennase, die Mopsfledermaus und das Mausohr sind Zeigerarten für Strukturreichtum in Natur und Landschaft, erläuterte die Expertin für Fledermäuse. Strukturreichtum und menschliche Aktivitäten in der Kulturlandschaft schließen sich nicht gegenseitig aus. Das wird anhand der großen Vielfalt an Fledermausarten im Schönfelder Hochland deutlich. Wichtig ist, dass die Lebensräume im Verbund betrachtet werden. So können Fledermäuse sowohl zur Dresdner Heide als auch zur Elbaue gelangen und somit einen größeren Lebensraum für sich erschließen. Das macht sie resilient und vergrößert ihre Überlebenschancen.

Im Zuge des Klimawandels werden auch Veränderungen in Fledermauspopulationen erwartet. Scheinbar können wärmeliebende Arten, wie die Kleine Hufeisennase oder die Zwerg- und Mückenfledermaus davon profitieren, meint Bianka Schubert. Aber festlegen wollte sie sich aufgrund der dünnen Datenlage noch nicht. Populationstrends lassen sich erst nach ein paar Jahren sicher ableiten. Sicher ist sie jedoch bei der Beantwortung der Frage, ob die Errichtung von Windkraftanlagen im Schönfelder Hochland Einfluss auf Fledermäuse haben könnte. Windkraftanlagen erzeugen grüne Energie und tragen somit zu den Klimaschutzzielen bei. Windkraftanlagen töten allerdings auch jedes Jahr tausende von Fledermäusen durch Kollision oder Barotrauma.

Manuela Schott, Dresden



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