Breitflügelfledermaus und Feldmaikäfer

Die Breitflügelfledermaus gehört zu unseren größten heimischen Fledermausarten | Foto: Sven Möhring

Die Großeltern kannten sie noch und Wilhelm Busch machte sie im 5. Streich von „Max und Moritz“ unsterblich – die (Feld)Maikäfer (Melolontha melolontha). Damals traten sie in solchen Massen auf, dass mit ihnen Hühner oder Schweine gemästet werden konnten. Heute kennen unsere Kinder diese Blatthornkäfer fast nur noch als Schokoladenhohlkörper oder aus Erzählungen. Ähnliches gilt für Fledermäuse. Viele haben schon von ihnen gehört – die wenigsten jedoch eine zu Gesicht bekommen. Noch geringer wird die Zahl derer sein, die beide schon einmal nebeneinander beobachtet haben.

Seit mindestens 2006 ist dieses „Schauspiel“ alljährlich in Otterwisch (Landkreis Leipzig) zu bewundern. Aus einer Wiesenfläche am Ortsrand steigen jedes Frühjahr im April nach Sonnenuntergang, wenn die Nachttemperaturen 10 °C überschreiten, bis zu mehrere Hundert Feldmaikäfer auf, um zu fressen und sich zu paaren.

Typisch zu dieser Jahreszeit treten die großen Feldmaikäfer auf und sind beliebte Beute der Breitflügelfledermaus | Foto: Sven Möhring
Eine gewisse Manövrierfähigkeit bedarf es schon um Insekten im Flug zu fangen | Foto: Sven Möhring

Das ist auch einer kleinen Population Breitflügelfledermäuse (Eptesicus serotinus) nicht verborgen geblieben. Bis zu 15 Tiere finden sich regelmäßig 20 bis 30 Minuten nach Sonnenuntergang über dem Grundstück ein, um die nahrhaften, eiweißreichen „Brummer“ zu jagen. Mit Hilfe der Schwanzflughaut werden diese im Flug „gekeschert“. Anschließend wird die Beute fliegend in „gebückter Haltung“ mit dem Maul aufgenommen und die unverdaulichen Flügeldecken sowie der Kopf der Käfer abgebissen, während der Torso im Magen verschwindet. In dieser Zeit ist die Orientierung per Ultraschall oder „auf Sicht“ nicht bzw. nur eingeschränkt möglich. Daher fliegen die Breitflügelfledermäuse im „Fressmodus“ auf ihnen gut bekannten, hindernisfreien Flugbahnen. Die „Otterwischer“ haben sich hierfür einen stattlichen Kirschbaum ausgesucht, welchen sie während des Fressens bis zu 12mal stoisch umkreisen, ehe es zum Angriff auf den nächsten fetten Happen geht.

Für den Fotografen ist dies die beste Gelegenheit, die Tiere ohne „Tricks und doppelten Boden“ vor die Linse zu bekommen.  Mittels manueller Entfernungseinstellung (voreingestellt auf ca. 5 – 6 Meter) und einer Brennweite zwischen 150 und 200 mm, lassen sich die Tiere während ihres „Fressfluges“ um den Kirschbaum mit etwas Übung gut ablichten, wenn sie den Schärfebereich der Kamera durchfliegen.

Um den Kirschbaum, im Hintergrund, tummeln sich die Maikäfer und laden Breitflügelfledermäuse zum Bankett ein | Foto: Sven Möhring
Zum Fang ihrer Beute verwenden Fledermäuse gerne ihre Flughaut als Kescher | Foto: Sven Möhring

Doch die Zeit hierfür ist begrenzt. Nach ungefähr 20 Minuten ist die Käferjagd zu Ende. Mit bis zu acht Feldmaikäfern im Magen verschwinden die prall gesättigten Breitflügelfledermäuse genauso schnell, wie sie gekommen sind. Dann heißt es wieder bis zum nächsten Abend warten.

Sven Möhring, Otterwisch


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