100. Befahrung eines bedeutenden Fledermaus-Winterquartiers

Teilnehmer der 9. Befahrung im ehemaligen Kalkwerk am 30.03.1974 | Foto: Archiv

Am 30.11.2019 fand im oberen Osterzgebirge die 100. Befahrung eines Objektes statt, um den Fledermausbestand zu erfassen und zu markieren. Passend zu diesem Termin wurden exakt 100 Tiere gefunden. Diese Kontrollen finden immer zum Anfang und zum Ende des Winterschlafes statt. So blicken die sächsischen Fledermausfreunde auf eine nunmehr 50jährige Geschichte der Zählungen im ehemaligen Kalkwerk bei Altenberg zurück.

Damals stellte Manfred Wilhelm Nachforschungen zu diesem Objekt an. Im Februar 1970 fanden die beiden Fledermausinteressierten Manfred Wilhelm und Folker Rüssel im Osterzgebirge den fast gänzlich verschütteten Zugang. So konnte am 15.02.1970 die erste Befahrung stattfinden. Mit dem damaligen Fund von 31 Fledermäusen wurde schnell klar, dass es sich hier um ein bedeutendes Winterquartier handeln musste.

Einblicke in die großen Hallen des ehemaligen Kalkwerks, die über hundert Fledermäusen jedes Jahr einen Platz für den Winterschlaf bietet. | Foto: N. Kaiser et al.
Teilnehmer der 57. Befahrung im ehemaligen Kalkwerk am 28.11.1998. | Foto: Ulrich Zöphel

Seit 1970 werden im ehemaligen Kalkwerk Fledermäuse beringt. Eine solch lange und beständige Beringung von Fledermäusen in einem Objekt in Sachsen ist einmalig. Durch die Wiederfunde lassen sich wichtige Daten ableiten, wie z. B. zum Wanderverhalten und der Standorttreue unserer heimischen Fledermausarten. Einige Fledermäuse, die im ehemaligen Kalkwerk überwintern, verbringen den Sommer in nord- bis nordwestlicheren Regionen in Sachsen. Einige wenige wurden aber auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt wieder gesichtet. Noch spannender ist allerdings der Fund von zwei Brandtfledermäusen im Jahr 1995, die im Jahr 1972 erstmalig markiert wurden und somit ein Alter von über 23 Jahren dokumentieren. Ein Rekordalter von 30 Jahren wurde 2014 bei einem 1984 markierten Tier festgestellt.

Als weitere Untersuchungen wurden Lichtschrankenerfassungen seit 1997 durchgeführt. Im Jahr 2002 bis 2003 hat sich Thomas Frank im Rahmen seiner Diplomarbeit dem ehemaligen Kalkwerk gewidmet. In 131 Nächten, verteilt auf Frühling und Herbst, fing er zahlreiche Tiere. Seit 1970 wurden folgende Fledermausarten festgestellt und sind immer noch vertreten: Mausohr, Wasserfledermaus, Braunes Langohr, Fransenfledermaus, Nordfledermaus, Große und Kleine Bartfledermaus. 2003 wurde erstmalig die Bechsteinfledermaus festgestellt. In Abhängigkeit von der angewandten Methode schwanken die Bestände der einzelnen Arten. Während bei den Sichtkontrollen die Bartfledermäuse deutlich in der Überzahl sind, weisen die Lichtschrankendaten einen höheren Anteil von Wasser- und Fransenfledermäusen auf, die sich allem Anschein nach, sehr gut im Quartier verstecken.

Fledermausberingung in frühen Jahren der Winterquartierskontrollen - damals noch mit Einsatz von Karbidlampen. | Foto: Archiv
An der Entwicklung der Lampen sieht man wie die Jahre vergehen: Fledermausberingung heute. | Foto: Ulrich Zöphel

Nun, am 14.03.2020 trafen sich 17 Fledermausinteressierte mit Partnern um auf die Erfassungen, ihre Ergebnisse und die vielen gemeinsamen Erlebnisse zurückzublicken. Mit von der Partie waren die nunmehr über 80jährigen Fledermaus-Veteranen Manfred Wilhelm und Folker Rüssel. Ulrich Zöphel gab zu diesem Anlass einen anschaulichen Rückblick auf das, was in 50 Jahren Winterquartierkontrollen und Beringung alles geschah. Immerhin lud das Objekt im Laufe der Jahre namenhafte Fledermausforscher aus Ostdeutschland und Tschechien zum Kontrollgang ein: Zdeněk Bárta, Dr. Eckhard Grimmberger, Dr. Hans Hackethal, Dr. Joachim Haensel, Klaus Liebscher, Dr. Wilfried Schober und Dr. Rolf Steffens. Herr Christian Wosch von der zuständigen unteren Naturschutzbehörde bedankte sich für die geleistete Arbeit in Fledermausforschung und -schutz.

Die Teilnehmer der Jubiläumsveranstaltung zur 100. Kontrolle des Fledermausquartiers, darunter die Erstbefahrer M. Wilhelm (2.v.r.) und F. Rüssel (1.v.l.) | Foto: Ulrich Zöphel

Die kommende Kontrolle zur Erfassung der Frühjahrs-Abwanderung muss wegen der aktuellen Corona-Situation leider ausfallen. So sind wir auf den kommenden Winter gespannt, wie viele Fledermäuse wir wieder zählen dürfen. 


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